The Photographer

(Autor: Frau Dr. Claudia Schwaighofer)

Der Münchner Stephan Paul Stuemer (Jahrgang 1973) schloss 1999 seine Fotografenlehre und 2002 die Meisterprüfung durch die Handwerkskammer für München und Bayern ab. Im selben Jahr begann er als freischaffender Fotograf zu arbeiten und war für mehrere Jahre als Dozent für Fotografielehrlinge tätig. Zu seinen Aufgaben gehörten sowohl die Vermittlung von theoretischem als auch praktischen Wissen zur Fotografie, beispielsweise zur Aufnahmetechnik oder der fotografischen Berufs- und Meisterausbildung. Zwischen 2007 und 2010 unterhielt Stuemer ein eigenes Studio im Münchener Glockenbachviertel, 2009 bis Mitte 2011 war er zudem Mitinhaber der Aidenbach Studios GmbH, die er sowohl für seine eigenen Arbeiten nutzte als auch für verschiedene Foto- und Filmproduktionen zur Verfügung stellte. Im November 2011 richtete er sich ein eigenes Fotoatelier im Schlachthofviertel ein, um sich wieder vermehrt seinen eigenen Projekten, genauer seinen künstlerische Arbeiten und der freien Fotografie zu widmen.
Die Qualität von Stuemers Arbeiten fiel dem Fachpublikum schon früh auf – bereits im Jahr seiner Meisterprüfung wurde er mit dem Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung ausgezeichnet, 2005 erhielt er von einer internationalen Jury in den Vereinigten Staaten eine Honorable Mention bei der Verleihung des IPA Photographer of the year Competition Los Angeles.

Um sich weiterzubilden, absolvierte Stuemer bei verschiedenen Fotografen mehrere Praktika oder arbeitete als deren Assistent, unter anderem bei Jochen Frank, der ein Studio für Werbefotografie in Laichingen unterhält, oder bei Manfred Deckert, der unter anderem für die Firmen Bosch oder Siemens arbeitete und nun als selbstständiger Grafikdesigner in München tätig ist. Zwischen 2004 und 2007 assistierte Stuemer dem Werbefotografen Christof Eichler, Sohn des Chef-Designers der Firma Braun, weshalb er sich in dieser Zeit mehrfach mit den Arbeiten der Designer Dieter Rahms oder dem Gestalter Otl Aicher auseinandersetzte. Letzterer gilt als der Wegbereiter des Corporate Design und ist uns vor allem durch seine unvergesslichen Piktogramme in Erinnerung, die er und sein Team anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972 einführte. Ebenso sind es die Arbeiten des Künstlers und Designers Max Bill, die Stuemer während der Zusammenarbeit mit Eichler kennenlernte und die seitdem für sein weiteres Schaffen einen wichtigen Orientierungspunkt bilden. Nicht minder interessant sind für Stuemer die gestalterischen Grundprinzipien der von Max Bill 1953 gegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm, die bis zum Jahr 1968 existierte und sich wiederum in ihren Grundprinzipien der Lehre und Ausbildung am Weimarer Bauhaus orientierte.

Grundsätzlich gilt für Stuemers Schaffen ein einfaches, aber immer wieder spürbares und sehr klares Grundprinzip: Das bewusste Sehen und Erkennen klarer Gestaltungselemente und deren durchaus als experimentierfreudig zu bezeichnende Anwendung in den eigenen Arbeiten. Ein Schwerpunkt seines fotografischen Schaffens ist die Produktfotografie, ebenso begeistert sich Stuemer aber auch für das klassische Still Life sowie verschiedene, vornehmlich im künstlerischen Bereich anzusiedelnde Projekte.

Besonders hervorzuheben ist auch Stuemers soziales Engagement: er arbeitete bereits mit den Ärzten und Kunsttherapeuten der Heckerscher Klinik, der Kinder- und Jugendpsychiatrieabteilung der Rottmannshöhe Berg oder dem Münchener Waisenhaus zusammen und lieferte zudem die Aufnahmen für ein Kochbuch, das vom Blindeninstitut München herausgegeben wurde.